Saporischschja: Kulturerbe unter Beschuss

7. April 2026

Saporischschja – eine Stadt im Südosten der Ukraine – liegt nur etwa 20 km von der Frontlinie entfernt. Sie ist täglichen Angriffen ausgesetzt, darunter ballistische Raketen, gelenkte Fliegerbomben, Drohnen sowie Beschuss durch Mehrfachraketenwerfer. Diese anhaltenden Angriffe stellen auch das kulturelle Erbe der Region vor erhebliche Gefahren.

Zivile Infrastruktur, Wohngebäude, Bildungs-, Kultur- und medizinische Einrichtungen werden laufend beschädigt. Seit Beginn der großflächigen Invasion sind in der Stadt nahezu 4.000 Wohngebäude betroffen. Nahegelegene Städte wie Orichiw und Huljajpole zählen zu den am stärksten betroffenen Orten; zahlreiche historische Gebäude und Kulturerbestätten wurden dort beschädigt oder zerstört.

Ein Teil der Region Saporischschja ist weiterhin vom russischen Aggressor besetzt, was eine vollständige Erfassung der Schäden am kulturellen Erbe erschwert. Ein besonders gravierendes Beispiel ist das Heimatkundemuseum Melitopol, das am 26. März 2022 von russischen Besatzungskräften besetzt und anschließend geplündert wurde. Dabei gerieten mehr als 66.000 Museumsobjekte unter ihre Kontrolle, darunter 302 Artefakte skythischen Goldes aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., sowie Dokumentationen und Inventar. Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft wurden mindestens 1.745 Objekte aus Edelmetall, darunter 277 aus Gold, aus dem Museum gestohlen. Auch wertvolle Artefakte aus dem Schutzgebiet „Kamjana Mohyla“ wurden entwendet. Russland hat diese geraubten Bestände rechtswidrig in seinen staatlichen Museumskatalog aufgenommen. Inzwischen hat sich Russland auf diese Weise Sammlungen von mindestens 36 ukrainischen Museen, darunter mehrere aus der Region Saporischschja, völkerrechtswidrig angeeignet.

Trotz der schwierigen Sicherheitslage geht das Leben in Saporischschja weiter. Theater, Museen, Bibliotheken und Archive bleiben geöffnet. Ausstellungen finden statt, und Kultureinrichtungen setzen ihre Arbeit zur Betreuung und Sicherung von Sammlungen fort. Heute leben rund 620.000 Menschen in der Stadt – darunter viele, die hierher geflüchtet sind.

Die Region Saporischschja verfügt über ein vielfältiges kulturelles Erbe: von archäologischen Funden der Steppenkulturen und Objekten aus der skythischen Zeit über Zeugnisse der Kosaken-Geschichte bis hin zu ethnografischen Sammlungen, regionaler Kunst und Archivalien. Viele dieser Bestände werden in Einrichtungen aufbewahrt, die sich in unmittelbarer Nähe zur Frontlinie befinden und unter permanentem Risiko arbeiten.

Vor diesem Hintergrund wurde durch das UAAC mit Unterstützung der >> Agency for Cultural Resilience über das >> Regionalmuseum für Geschichte und Heimatkunde erneut Nothilfe an mehr als zehn Einrichtungen verteilt, darunter Museen der Region, das Gebietsarchiv sowie eine Regionalbibliothek. Die Unterstützung umfasste Materialien zum Schutz von Sammlungen, Ausstattung zur Verbesserung der Lagerbedingungen sowie Hilfsmittel zur Stabilisierung von Beständen in Gebäuden, die durch anhaltende Angriffe gefährdet sind.

Die Unterstützung von Kultureinrichtungen in frontnahen Regionen ist von zentraler Bedeutung. Der Schutz des Kulturerbes schützt auch die kollektive Erinnerung, die Identität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gemeinsam mit den engagierten Kolleginnen und Kollegen in der Region Saporischschja setzen wir uns weiterhin dafür ein, dieses Erbe unter schwierigsten Bedingungen zu bewahren.

>> Liste des Ukrainisches Ministerium für Kultur zum Ausmaß der Schäden an Kulturstätten in der Ukraine (auf Ukrainisch).

Weitere Informationen zu den laufenden Bemühungen um Dokumentation und Rückgabe der geraubten Kulturgüter finden sich in einer >> Veröffentlichung des regionalen Nachrichtenportals RIA-Melitopol, das über aktuelle Entwicklungen in der besetzten Stadt und Region berichtet (Artikel auf Ukrainisch).

Bildnachweis: Saporischschjaer Regionalmuseum für Geschichte und Heimatkunde namens Nowyzkyj, Nationales Schutzgebiet Chortyzja


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