Archäologie trotz Krieg: Was unter der Erde liegt

9. Oktober 2026

Fast 90 Hektar in knapp zwei Wochen: Erstmals seit 20 Jahren hat wieder eine ausländische Expedition am Bilsker Burgwall in der Ukraine geforscht. Die vom Ukraine Art Aid Center (UAAC) mit Mitteln des Auswärtigen Amts finanzierte Untersuchung eröffnet neue Möglichkeiten, eine der größten befestigten Siedlungen der europäischen Eisenzeit zu erforschen.

Fast 90 Hektar in knapp zwei Wochen: Erstmals seit 20 Jahren hat wieder eine ausländische Expedition am Bilsker Burgwall in der Ukraine geforscht. Die vom Ukraine Art Aid Center (UAAC) mit Mitteln des Auswärtigen Amts finanzierte Untersuchung eröffnet neue Möglichkeiten, eine der größten befestigten Siedlungen der europäischen Eisenzeit zu erforschen.

Vom 21. September bis zum 3. Oktober 2026 untersuchte ein dreiköpfiges Team der Berliner >>EASTERN ATLAS GmbH unter Leitung von Burkart Ullrich den gesamten Innenbereich der Westbefestigung sowie Teile der skythischen Nekropole Skorobir. Zum Einsatz kam die Magnetometrie: ein Verfahren, mit dem sich Spuren ehemaliger Gebäude, Gruben und anderer archäologischer Strukturen im Boden erkennen lassen, ohne Ausgrabungen vorzunehmen.

Nach Abschluss der erfolgreichen Feldarbeiten liegen nun für die gesamte Westbefestigung magnetometrische Daten vor. Ihre archäologische Auswertung könnte neue Erkenntnisse über die einstige Besiedlung liefern.

Ein archäologischer Komplex von europäischer Bedeutung

Der Bilsker Burgwall in der ukrainischen Region Poltawa erstreckt sich über rund 5.000 Hektar und umfasst etwa 37 Kilometer Wallanlagen. Der Komplex stammt aus der frühen Eisenzeit und wird in der Forschung auch als möglicher Standort von Gelonos diskutiert, jener Stadt, die der griechische Geschichtsschreiber Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. beschrieb.

Wie die weitläufige Siedlung einst aufgebaut war und welche Funktionen ihre verschiedenen Bereiche erfüllten, ist bis heute nur teilweise bekannt. Die neuen Messdaten könnten helfen, bislang verborgene Strukturen zu identifizieren und gezieltere archäologische Untersuchungen vorzubereiten.

Feldforschung unter Luftalarm

Die Expedition fand unter schwierigen Sicherheitsbedingungen statt. Bilsk liegt nur etwa 75 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Während der Arbeiten im offenen Gelände wurden wiederholt Drohnen gesichtet, und Luftalarm zwang das Team mehrfach zu Unterbrechungen.

Dennoch konnten die Untersuchungen wie geplant abgeschlossen werden. Alle drei Mitarbeiter von EASTERN ATLAS sind inzwischen sicher nach Deutschland zurückgekehrt, wo die Auswertung der Daten fortgesetzt wird.

Langfristige Unterstützung durch das UAAC

Die magnetometrische Untersuchung ist Teil einer seit 2023 bestehenden Zusammenarbeit zwischen dem UAAC und dem >>Historisch-Kulturellen Schutzgebiet Bilsk.

Darüber hinaus unterstützt das UAAC die digitale Dokumentation des archäologischen Komplexes durch LiDAR-Vermessungen, Laserscanner und weitere technische Ausstattung. Mit diesen Verfahren lassen sich historische Wallanlagen, Gräben und selbst geringe Veränderungen der Geländeoberfläche präzise erfassen.

Bis August 2026 wurden im Rahmen der unterstützten Arbeiten rund 720 Hektar mit LiDAR-Technologien dokumentiert. Die daraus entstandenen digitalen Geländemodelle liefern wichtige Informationen für die archäologische Forschung und helfen, den Zustand der historischen Befestigungen sowie mögliche Schäden festzuhalten.

Die neue Magnetometrie-Kampagne ergänzt diese Arbeiten um den Blick unter die Erdoberfläche. Damit stehen den Forschenden künftig unterschiedliche, einander ergänzende Datensätze zur Verfügung.

Die vom UAAC finanzierte Ausrüstung verbleibt in der Ukraine und wird bereits auch in anderen Regionen zur Dokumentation von Kulturerbe eingesetzt. Zudem ermöglicht sie Studierenden und jungen Forschenden, praktische Erfahrungen mit modernen Vermessungs- und Dokumentationsverfahren zu sammeln.

Mit dem Abschluss der Feldarbeiten beginnt nun die wissenschaftliche Auswertung der neuen Daten. Welche Spuren der einstigen Siedlung sie sichtbar machen werden, bleibt eine der spannendsten Fragen der kommenden Forschungsphase.

Mehr über die Forschungen in Bilsk: >>Videos und Einblicke in die archäologischen Untersuchungen auf YouTube.

Weiterführende Informationen: >> Bericht der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform (auf Ukrainisch).

Bildnachweis: Historisch-Kulturelles Schutzgebiet Bilsk

 


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