Kulturerbe unter freiem Himmel

16. September 2026

Was braucht es, um ein Freilichtmuseum unter Kriegsbedingungen zu schützen? Im >>Nationalen Museum für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine in Pyrohiw bei Kyjiw sind die historischen Gebäude selbst Museumsobjekte. Dieser besonderen Herausforderung trägt das UAAC mit seiner Art der Hilfe und Unterstützung Rechnung.

Auf mehr als 130 Hektar bewahrt das 1969 gegründete Museum rund 300 Bauwerke aus dem 16. bis 20. Jahrhundert, die die architektonischen und kulturellen Traditionen verschiedener Regionen der Ukraine repräsentieren. Das älteste, ein Haus aus dem Dorf Samary in der Oblast Wolyn, stammt aus dem Jahr 1587. Hinzu kommen rund 100.000 Sammlungsobjekte – von Textilien, Möbeln und Keramik bis zu Werkzeugen, Volksmalerei und Musikinstrumenten.

Ein Museum, das sich nicht evakuieren lässt

Gerade diese Besonderheit wird unter Kriegsbedingungen zur Herausforderung: Die historischen Gebäude lassen sich nicht in Schutzdepots verlagern. Holzbauten und traditionelle Strohdächer sind besonders empfindlich gegenüber Druckwellen, Trümmern und Feuer.

Die Gefahr ist konkret: Im Januar 2023 gingen auf dem Museumsgelände Trümmerteile einer abgeschossenen russischen Rakete nieder. Im Juli 2026 beschädigte die Druckwelle eines Angriffs eine historische Windmühle aus Juniakiwka in der Oblast Sumy aus den Jahren 1933–1934.

Die in den vergangenen Monaten besonders intensiven und regelmäßigen Angriffe auf Kyjiw und die Umgebung machen diese Belastung zunehmend spürbar. Auch ohne direkten Treffer hinterlassen wiederholte Druckwellen am Museum ihre Spuren: Stroh- und Reetdächer lockern sich, Fensterscheiben werden beschädigt und historische Bauteile können sich allmählich verschieben. Nach besonders schweren Angriffen gehört die Kontrolle der rund 300 Gebäude deshalb inzwischen zum Museumsalltag.

Gleichzeitig müssen die rund 100.000 beweglichen Objekte sicher gelagert und bei Bedarf schnell geschützt oder verlagert werden – auch bei Stromausfällen und unter schwierigen klimatischen Bedingungen.

Kontinuierliche Unterstützung durch das UAAC

Das Ukraine Art Aid Center unterstützt Pyrohiw seit längerem und wiederholt mit dringend benötigter Ausstattung: Verpackungs- und Schutzmaterialien, Werkzeugen, mobiler Stromversorgung, Luftentfeuchtern sowie Klima- und Lagertechnik.

Die Hilfe ist auf konkrete Anforderungen des Museums ausgerichtet. Wie wichtig etwa die bereitgestellten Luftentfeuchter sind, zeigte sich im vergangenen Winter: Nach einem Schaden an der Heizungsanlage trat in einem Museumsraum Wasser aus und die Luftfeuchtigkeit stieg stark an. Die Luftentfeuchter halfen dabei, den Raum schnell zu trocknen und wieder geeignete Bedingungen für die dort aufbewahrte Sammlung herzustellen. Mobile Stromversorgung ermöglicht es zugleich, bei längeren Stromausfällen wichtige Geräte und Sicherheitssysteme weiter zu betreiben. Folien, Wellpappe, Kartons und andere Verpackungsmaterialien werden im Museumsalltag genutzt, um Objekte sicher zu verpacken, zu verlagern und zu lagern und sie dabei vor mechanischen Schäden, Erschütterungen und den Auswirkungen von Druckwellen zu schützen.

Die aktuellen Bilder aus Pyrohiw zeigen die vom UAAC bereitgestellten Materialien und Geräte im täglichen Einsatz. So wird aus einer Hilfslieferung konkrete Unterstützung für die Menschen, die dieses außergewöhnliche kulturelle Erbe unter den Bedingungen des anhaltenden Krieges bewahren.

Bildnachweis: Nationales Museum für Volksarchitektur und Brauchtum der Ukraine in Pyrohiw

 


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